Bitcoin Anfängerkurs

Was ist Bitcoin?

Die meisten werden Bitcoin das erste Mal so richtig wahrgenommen haben, als der Dollarpreis Ende 2017 / Anfang 2018 sein bisheriges All Time High erreicht hat. Doch Bitcoin ist mehr als eine Internetwährung, es ist der Anfang von etwas Großem!

Währung, Netzwerk, Technologie oder Philosophie?

Bitcoin wurde zu einer Zeit erfunden als die letzte Finanzkrise 2008 so richtig im Gange war und darin gipfelte, dass die Großbank Lehman Brothers zusammen gebrochen ist. Viele Unternehmen mussten Insolvenz anmelden und viele Menschen haben ihren Job oder viel Geld verloren. Satoshi Nakamoto erfand Bitcoin und brachte damit alle Puzzleteile für die darunter liegende Technologie “Blockchain” zusammen, die die Art wie Geld verschickt und kontrolliert wird revolutioniert.

Bisher brauchte man immer eine Zentrale Organisation, die kontrolliert wie viel Geld im Umlauf ist, dass das Geld im Umlauf auch echt und fälschungssicher ist, dass es nicht von den Bürgern vervielfacht werden kann und dass es bei Transaktionen die richtigen Empfänger erhalten.

Bitcoin ist eine Internetwährung die von niemandem, und gleichzeitig von allen kontrolliert wird. Es gibt eine feste Menge die jemals im Umlauf sein wird, sie ist fälschungssicher, sie kann nicht vervielfacht werden und kommt garantiert beim angegebenen Empfänger an. Und das alles ohne eine zentrale Organisation, Firma oder Gruppe die die Entscheidungsgewalt über Bitcoin hat.

Aber wie? Durch die Blockchain!

Das Überweisungsbuch (Blockchain Analogie)

Wenn eine Person einen Bitcoin zu einer anderen Person senden will, dann wird das in der Blockchain “aufgeschrieben”. Die Blockchain ist eine Kette von Blöcken (Blockchain = Blockkette) und kann mit einem Überweisungsbuch verglichen werden, in dem jede getätigte Überweisung aufgeschrieben wird. Das bedeutet, dass jede einzelne Transaktion die jemals mit Bitcoins getätigt wurde in der Blockchain gespeichert ist.

Wenn die Blockchain also ein Überweisungsbuch von Bitcoin ist, kann man die einzelnen Blöcke der Blockchain als einzelne Seiten im Buch beschreiben. Jede Seite ist also eine Ansammlung von Überweisungsdetails, einfachen Daten und Verträgen mit bestimmten, festgelegten Bedingungen. Warum Daten und Verträge? Weil auch das einige der vielseitigen Möglichkeiten der Nutzung einer Blockchain sind.

Wenn Sie also einen Bitcoin zu einem Freund schicken wollen, dann nehmen Sie sich das Überweisungsbuch, schreiben Ihre Transaktion dort hinein, und nachdem die Seite, auf der sich Ihre Transaktion befindet, “bestätigt” wurde, weiß jeder, der ebenfalls dieses Überweisungsbuch benutzt (in dem Fall das von Bitcoin), dass ihr Freund nun einen Bitcoin hat.

Das bedeutet, bei der Blockchain befindet sich niemals die Kryptowährung als Datenmenge oder in physischer Form bei irgendeiner Person, sondern die Coins (auch Token genannt) werden in der Blockchain nur einem jeweiligen “Konto” zugeordnet, dass irgendeine Person oder Gruppe von Personen gehört. Und die Blockchain wird mit allen Teilnehmer geteilt, sodass, in der Regel, alle Teilnehmer immer wissen, auf welchem Konto wie viele Bitcoins liegen.

Konsensus

Doch wer bestimmt, dass das was im Überweisungsbuch steht, auch der Wahrheit bzw. Richtigkeit entspricht?

Hier kommen die “Miner” ins Spiel. Da wir bei der Überweisungsbuch Analogie sind, um das Thema für Neueinsteiger in die Materie etwas besser zu veranschaulichen, vergleichen wir Miner an dieser Stelle mit Buchprüfern.

Auch an dieser Stelle kann jeder, der will, Buchprüfer sein. Diese Buchprüfer prüfen dann die jeweils neue Seite im Überweisungsbuch (also den Block der Blockchain) und bestätigen, was dort geschrieben steht. Für ihre Mühen erhalten die Prüfer einen kleinen Anteil der Überweisungssumme.

Sobald mehrere Buchprüfer über die Seite geschaut, und die neue Seite bestätigt haben, wird diese als bestätigt angesehen und ins Buch aufgenommen (der bestätigte Block wird an die Blockchain angefügt). Das Überweisungsbuch hat also keine vorhandenen leeren Seiten, die beschrieben werden, sondern jede bestätigte Seite wird ins Buch eingeklebt. Dadurch wird das Buch dicker und dicker.

Anonymität

Wenn jede Transaktion für jeden öffentlich einsehbar ist, was hat dass dann noch mit Anonymität zu tun?

Ja, es steht jede Transaktion öffentlich einsehbar in der Blockchain, sodass man jede Transaktion bis zur aller ersten Bitcoin Transaktion nachvollziehen kann. Jedoch sieht man nur die Adressen, also die Konten, von denen die Transaktionen getätigt bzw. empfangen wurden. Da sich jeder einfach komplett anonym ein Konto erstellen kann, weiß man in der Regel nicht, wer sich hinter dieser langen Abfolge aus Buchstaben und Zahlen befindet. Um in der Analogie des Überweisungsbuchs zu bleiben kann man sagen, dass man bei einer Überweisung nicht seinen Namen und den Namen des Empfängers angibt. Vielmehr hat sich jeder eine wirklich sehr lange Abfolge an Zahlen und Buchstaben völlig zufällig ausgedacht. Diese Abfolge von Zahlen und Buchstaben ist die Adresse. Wie eine Email Adresse, nur für die meisten Menschen zu lang um sich diese zu merken. Wenn man nun diese Adresse des Empfängers hat, schreibt man in das Überweisungsbuch, dass man von seiner Adresse zu der Empfängeradresse die gewünschte Anzahl an Bitcoins überweist. Dadurch stehen im Überweisungsbuch nie die Namen, sondern nur Adressen. Und wenn keiner weiß, dass genau diese eine Adresse zu Ihnen gehört, dann kann man davon ausgehen, dass Sie in diesem Fall anonym sind.

Jedoch haben mittlerweile die meisten großen und bekannten Kryptomärkte, gezwungenermaßen, darauf umstellen müssen ihre Nutzer mit Ausweis oder Reisepass, und teilweise noch weiteren Dokumenten, auf einem sehr hohen Maße zu verifizieren. So könnten ggf. Regierungen auf Anfrage, oder andere Personen bzw. Gruppen durch Hackerangriffe durch diese Börsen herausfinden, welches Konto zu welcher Person gehört (was natürlich nur für die dort angemeldeten Konten gilt). Damit soll vor allem Geldwäsche deutlich erschwert werden.

Sicherheit

Hackerangriffe? Wie sieht es denn generell mit der Sicherheit der Blockchain aus?

Die Blockchain an sich ist nicht hackbar. Die Buchprüfer prüfen nämlich ob bei der Transaktion alles stimmt. Wenn man Bitcoins versenden möchte, die man garnicht besitzt, wird die Transaktion abgelehnt. Da alle Transaktionen komplett rückverfolgbar sind, kann auch jeder Buchprüfer sehen, wieviele Bitcoins jemand auf seiner Adresse gespeichert hat. Hat man also einen Bitcoin, und möchte diesen an zwei Personen schicken, wird nur eine Transaktion davon als gültig erklärt.

Man kann das Überweisungsbuch (die Blockchain) auch im Nachhinein nicht verändern, da das bei den Buchprüfern ebenfalls auffallen würde.

Allerdings gibt es beim Bitcoin (und allen anderen Kryprowährungen) einen Unterschied zur Bank, der etwas mehr Obacht erfordert. Denn jeder ist seine eigene Bank.

Wenn man seine eigene Adresse erstellt, erhält man zwei Schlüssel. Den öffentlichen Schlüssel (Ihre Adresse) und den privaten Schlüssel (quasi das Passwort zur Adresse). Verliert man das Passwort, verliert man den Zugriff auf seine Adresse. Dementsprechend muss man den privaten Schlüssel sehr sorgsam verwahren, denn wenn jemand den privaten Schlüssel stiehlt, hat er Zugriff auf Ihre Adresse.

Wenn also eine Nachricht in den Medien kursiert, dass eine Bitcoinbörse gehackt wurde, dann wurde nicht die Blockchain gehackt, sondern nur die Börse, auf der einige private Schlüssel lagen. Die dazugehörigen Adressen wurden dann leer geräumt. Man kann über die Blockchain zwar verfolgen, auf welche Adressen die gestohlenen Bitcoins wandern, man kann dagegen in diesem Fall, wegen der Anonymität, leider nicht viel tun.

Also: Den privaten Schlüssel NIEMALS jemanden zeigen, über das Internet verschicken oder als Kopie in einer Textdatei oder als Foto auf einem Computer liegen lassen! 

Behandeln Sie ihren privaten Schlüssel wie einen Goldbarren. Den würden Sie ja auch nicht irgendwo einfach liegen lassen. Doch mehr dazu später im Kurs.

Geldwäsche, Drogen und Waffen

Bitcoin hatte, gerade zu Anfang, nicht nur gute Schlagzeilen gemacht. Die Spitze des Eisbergs der dunkleren Seiten von Kryptowährungen war die Erstellung von “Silkroad”, eine Internetplattform auf der man anonym Drogen und Waffen kaufen konnte. Bedingt durch die Anonymität von Kryptowährungen ging das Konzept der Seite auf. Allerdings sitzt der Ersteller der Seite mittlerweile für sehr viele Jahre im Gefängnis. Der Vorwurf, Bitcoin würde vor allem für den Kauf von Drogen und Waffen genutzt, hielt sich natürlich jahrelang. Man könne ja nicht zurückverfolgen wer was kauft und das mache es zu einem guten Geschäft für illegale Handlungen. Allerdings konnte man, gerade durch die Transparenz der Blockchain, sehr wohl und sehr gut einige dieser Käufe zurückverfolgen. Denn anders als Bargeld, das man wirklich nicht gut zurück verfolgen kann, gibt einem die Blockchain ja alle Informationen. Und irgendwann hat irgendjemand irgendwo Geld in Bitcoin, oder Bitcoin in Geld umgetauscht. Und an diesen Stellen konnte man eingreifen.

Dementsprechend ist mittlerweile sowohl der schlechte Ruf von Bitcoin und Kryptowährungen, als auch die tatsächliche Aktivität illegaler Handlungen auf ein minimum zurück gegangen. Man benutzt wohl doch lieber wieder Bargeld für den Kauf von Waffen und Drogen, anstelle komplett rückverfolgbarer und transparenter Internetwährungen.

Ein anderes Thema, allerdings mit dem selben Nachklang, ist Geldwäsche. Gerade am Anfang war es für viele recht einfach Geld durch Bitcoin zu waschen. Um das zu kontrollieren versuchen Regierungen auf der ganzen Welt sich den Kryptowährungen auf unterschiedlichen Ansätzen zu nähern und vertraut mit ihnen zu werden. Die Auskunftpflicht von Kryptowährungsbörsen ihrer Kunden auf der ganzen Welt ist nur ein Schritt in diese Richtung.

Allerdings sind auch hier, wegen der Transparenz und Rückverfolgbarkeit, Kryptowährungen nicht unbedingt mehr an erster Stelle für Geldwäsche.

Nur die Spitze des Eisbergs

Da dieser Kurs für Anfänger ist, waren diese Infos über Bitcoin natürlich nur die Oberfläche der Materie. Gerade technisch kann man hier noch sehr weit ins Detail gehen.

Auf ein Thema bin ich allerdings noch nicht eingegangen, da ich daraus ein eigenes Kapitel gemacht habe was im späteren Verlauf an der Reihe ist: Bitcoin Mining.

Doch bevor wir uns anschauen wie man Bitcoin “abbauen” kann, benötigen wir erst einmal einen Ort, an dem wir Bitcoin aufbewahren können.

Im nächsten Kapitel schauen wir uns an, wie man Bitcoin aufbewahrt, sendet und empfängt.